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Das Problem – Fakten in Österreich

•    ca. 13.000 bis 26.000 Suizidversuche/Jahr

•    1.265 Suizidtote/Jahr (2008)

•    678 Verkehrstote/Jahr (2008)

•   175 Drogentote jährlich (2008)

•    58 Morde und 88 Mordversuche/Jahr (2006)

Suizidales Verhalten stellt daher ein großes gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Problem dar, nicht nur wegen des individuellen Leidens, sondern auch wegen der erheblichen Gesundheitskosten.

In Österreich sterben pro Jahr 1.265[1] Personen durch Suizid; 10 bis 20-mal so viele, ca. 13.000–26.000, unternehmen Suizidversuche. Trotz eines Rückganges in den letzten Jahren liegt Österreich damit im westeuropäischen Vergleich nach wie vor im oberen Bereich[2]. Gesellschaftlich ist Suizid nach wie vor ein Tabuthema, in der Bevölkerung, in den Medien und bis vor kurzem auch in der Politik. Das mit dem Thema Suizid befasste Versorgungssystem umfasst unterschiedliche Berufsgruppen, besonders Psychologen[3], Psychotherapeuten, Psychiater und Allgemeinmediziner. Das suizidbezogene Versorgungsnetz ist definiert durch stationäre Institutionen (z.B. Kliniken), den niedergelassenen Bereich (Ärzte, Psychotherapeuten etc.) und extramurale Versorgungseinrichtungen (Psychosoziale Zentren usw.). Ein zentrales Problem ibesteht darin, dass sich diese Bestandteile des Versorgungsnetzes meist nicht als Elemente eines ganzheitlichen Systems zur Suizidprävention verstehen[4].

Von politischer Seite mangelte es bislang an konkreten Zielsetzungen zum Thema Suizidprävention.

Im Forschungsbereich hat Österreich eine starke Tradition der Auseinandersetzung mit Suizid im individuellen medizinischen, psychotherapeutischen und psychologischen Bereich, jedoch wurden sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Ansätze bisher zu wenig verfolgt, sodass eine ganzheitliche Ursachenanalyse noch nicht vollständig vorhanden ist.

Tote

„Vergleich der Anzahl von Sterbefällen durch Verkehrsunfälle, Suizid und Drogen“

Vergleicht man die Anzahl der Suizidtoten mit der Anzahl der Verkehrs- und Drogentoten (Tod direkt verursacht durch illegale Substanzen), so fällt auf, dass es seit dem Jahr 2005 in etwa doppelt so viele Suizid- wie Verkehrstote und in etwa sieben Mal so viele Suizidtote wie drogenbedingte Todesfälle gegeben hat.

Durch umfassende Maßnahmen ist es gelungen, bei den Verkehrstoten einen starken Rückgang, von 2.507 im Jahre 1970 auf 678 Tote im Jahre 2008, herbeizuführen, trotz einer Verdoppelung der Anzahl der Verkehrsteilnehmer im Beobachtungszeitraum.

Bemerkenswert sind auch die politischen und administrativen Rahmenbedingungen der österreichischen Sucht- und Drogenpolitik, die zu einer Verankerung des Themas im Gesundheitssystem geführt haben. Die Basis für einen nachhaltigen Präventions- und Verbesserungsprozess ist somit geschaffen, um die Anzahl von 175 Drogentoten pro Jahr (Stand 2007) zu reduzieren.

Im Rahmen der Suizidprävention gibt es, trotz der 1.265 Suizidtoten und 13.000–26.000 Suizidversuchen, zur Zeit kein staatlich koordiniertes Suizidpräventionsprogramm und keine diesbezüglichen administrativen Rahmenbedingungen.

Die Zielsetzung der WHO und EU ist es, in allen Staaten nationale Suizid-Präventionsprogramme zu implementieren. Dafür gibt es auch schon erfolgreiche internationale Beispiele, wie z.B. Australien, Finnland, Kanada oder seit kurzem auch Deutschland.

Politische Erfordernisse in Österreich

Ein erster Erfolg wurde mit der Aufnahme des Themas Suizidprävention in die Regierungserklärung 10/2008[5] erzielt. Erstmals seit 1971 wurde nun wieder von der Bundesregierung eine explizite Zielsetzung zur Suizidreduktion formuliert:[6]

->Weiterentwicklung der nationalen Sucht- und Suizidpräventionsstrategie

mit besonderem Augenmerk auf die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen

->Erstellung nationaler Gesundheitsziele insbesondere .... für die psychische Gesundheit

Um das Regierungsziel zu erreichen, werden folgende Schwerpunkte vorgeschlagen:

 

  1. 1. Vision: Senkung der Suizidrate in Österreich um 50 % innerhalb der nächsten 10 Jahre
  2. 2. Ziel:  Die Entwicklung und Implementierung eines nationalen Suizidpräventionsprogrammes für Österreich
  3. 3. Operative Ziele:
  • Einrichtung einer bundesweit agierenden koordinierenden Stelle zur Suizidprävention inkl. zugehöriger Organisationsentwicklung
  • Vernetzung und Kooperation von Berufsgruppen/Einsatzorganisationen des Versorgungssystems
  • Durchführung von Öffentlichkeitsarbeit bzgl. Suizidprävention und Krisenintervention
  • Förderung und Abstimmung von zielgerichteten regionalen Suizidpräventionsaktivitäten
  • Durchführung von  Forschungsprojekten und Evaluierungen
  • Aufbau von Aus- und Weiterbildung zur Suizidprävention für Experten  und Multiplikatoren
  • Aufbau von Präventionsprogrammen für Risikogruppen (Jugendliche, Senioren ...)
  • Aufbau einer flächendeckend verfügbaren psychischen Krisenintervention
  • Österreichweite Einführung von Psychotherapie auf Krankenschein
  • Einführung eines österreichweiten einheitlichen Notrufs für psychische Krisen (z.B. 155)

Die dafür anfallenden Kosten relativieren sich, wenn man die Folgekosten von Suiziden und Suizidversuchen beachtet: Für die Schweiz etwa, die eine ähnlich hohe Suizidrate wie Österreich aufweist, wurde ein volkswirtschaftlicher Schaden in einer Größenordnung von mehr als 1 Milliarde Euro jährlich errechnet! [7] So hätten vermehrte Investitionen in die Suizidprävention neben dem hohen menschlichen Nutzen auch eine hohe volkswirtschaftliche Rentabilität.

Politische Erfordernisse für die Steiermark

Davon ausgehend, dass die steirische Suizidrate im Österreich-Vergleich seit Jahren am höchsten ist, haben wir uns dieses Themas besonders angenommen.

  • Für die Steiermark wäre es notwendig, dass sich die Politik eine Vision bzgl. Suizidvermeidung setzt und messbare Ziele definiert. Darauf abgestimmt ist ein steiermarkspezifisches Suizidpräventionsprogramm zu entwickeln und zu implementieren.
  • Für gefährdete Bezirke sind zielorientierte, nachhaltige Projekte zum Thema Suizidprävention zu entwickeln und umzusetzen.
  • Ein besonderer Fokus ist auf Jugendliche zu legen, da 20 % der Todesfälle bei Jugendlichen durch Suizid erfolgen.
  • Weiters ist Psychotherapie auf Krankenschein für Menschen, die Suizidversuche begangen haben bzw. für Angehörige von Suizidopfern notwendig.

 



[1] Daten Statistik Austria 2008, ausgewertet vom Institut für SuizidPrävention und Forschung

[2] WHO Todesursachenstatistik, 2002

[3] Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird durchgehend die männliche Form benutzt. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist uns jedoch ein Anliegen.

[4] Thomas Hutsteiner, Josef Missethon, Carlos Watzka, Stand und Perspektiven der Suizidprävention in Österreich (unveröffentlicht, 2009).

[5] Initiiert von Josef Missethon in Zusammenarbeit mit Carlos Watzka, den Gründern des Instituts für SuzidPrävention und Forschung

[6] Der angeführte Text ist im Regierungsprogramm für die XXIV. Gesetzgebungsperiode  2008–2013 „Gemeinsam für Österreich“auf der Seite 189  enthalten

[7] Peter Holenstein Der Preis der Verzweiflung, Über die Kostenfolgen des Suizidgeschehens in der Schweiz, Zürich, 2003.

 

Zum Suizidgeschehen in Österreich 2001–2008

 

Entwicklung der Suizidrate in Österreich 1969–2008

1

Suizidraten in den Bundesländern – Durchschnitte 2001–2008

Innerhalb Österreichs unterscheiden sich die Suizidhäufigkeiten beträchtlich; die höchsten Raten weisen bereits seit Jahrzehnten die Länder Steiermark, Kärnten und Salzburg auf. Die ehemals sehr hohe Suizidrate der Bundeshauptstadt Wien ist dagegen seit der Mitte der 1980er Jahre besonders deutlich gesunken, und liegt nunmehr, hinter dem Burgenland an zweitniedrigster Stelle.

2

Suizid und Lebensalter in Österreich – Durchschnitte 2001–2008

(rohe) Suizidrate: Selbsttötungen pro 100.000 Einwohner im Jahr

  • Das individuelle Risiko, an Suizid zu versterben steigt im Alter an

3

Suizide: absolute Zahl der Todesfälle durch Selbsttötung proJahr

  • Von den Absolutzahlen her liegt das größte Risiko in den mittleren Altersgruppen

4

Suizidratio: Anteil der Selbsttötungen an der Gesamtzahl der Todesfälle

  • Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei den 10–29 Jährigen
  • 20 % der 10–29 Jährigen sterben duch Suizid

 

5

 

 

 

Suizidrate in Österreich nach Bezirken

Auch auf der kleinräumigen Ebene politischer Bezirke zeigen sich in Österreich deutliche regionale Unterschiede, die mit bisherigen Forschungen noch nicht ausreichend erklärt werden konnten, aber eindeutig in Zusammenhang mit regional unterschiedlichen sozioökonomischen Strukturen und kulturellen Mustern stehen, sowie auch von der regionalen Verfügbarkeit suizidpräventiv wirkender Angebote (Medizin, Psychotherapie, psychosoziale Zentren u.a.) abhängig sind.[1]

Suizidraten-bild2

WHO Zielvorgabe: Suizidrate < 15

 



[1] Watzka, Sozialstruktur und Suizid in Österreich, bes. S. 203–216, 365–394.

 

 

Suizidzahlen in Österreich und in der Steiermark 2001–2008

6

Regionale Unterschiede der Suizidraten in der Steiermark 2001–2008

7

Tabellen: C. Watzka 2009 Daten: Statistik Austria
Institut für SuizidPrävention und Forschung
 
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