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Suizidalität im beginnenden 21. Jahrhundert in Österreich – Risikogruppen und Präventionspotenziale

Seit dem späten 19. Jahrhundert bringt sich jährlich zumindest
einer von 6.000 Österreicherinnen und Österreichern selbst um;
in Krisenzeiten, wie vor dem 1. Weltkrieg oder in den 1930er
Jahren teils doppelt so viele. Im 20. Jahrhundert töteten sich so
mehr als 1 % der österreichischen Bevölkerung selbst. Im
beginnenden 21. Jahrhundert ist ein leichtes Absinken der
Suizidrate zu beobachten. 2007 wurde ein Wert von „nur“ noch
15 Fällen (auf 100.000 Einwohner im Jahr) erreicht,
seitdem ist bisher keine weitere Absenkung zu beobachten,
und angesichts der wirtschaftlichen Lage auch für 2009
nicht zu erwarten. Die ökonomische Entwicklung stellt einen
Bestimmungsfaktor für die Höhe der Suizidrate dar, neben anderen,
wie politischen Veränderungen, aber auch langfristig wirksamen
demographischen, ökonomischen und kulturellen Strukturen.

Ein weiterer Faktor, der das langsame Absinken der Suizidraten
in ganz West- und Mitteleuropa ab den 1980er wesentlich bedingt
hat, ist der Ausbau der suizidpräventiven Angebote. Der Rückgang
der Suizidraten steht in Zusammenhang mit der breiten, auch
ambulanten Anwendung von Psychotherapie einerseits und
Psychopharmaka andererseits, der erst durch die zunehmende
Akzeptanz der Behandlung psychischer Erkrankungen in der
Bevölkerung möglich wurde. Diese vollzieht sich ihrerseits im
Kontext des Wandels von „modernen“ zu „postmodernen“ Lebensstilen.
Von einer echten Ent-Stigmatisierung von Krankheiten wie
Depressionen oder Schizophrenie sind wir allerdings noch weit
entfernt, ebenso von ausreichenden psychosozialen Versorgung-
sangeboten für Betroffene. Dies gilt für Österreich insgesamt und für
die Steiermark im Besonderen. Die Steirerinnen und Steirer sind traditionell
noch häufiger von Selbsttötungen betroffen als die Österreicher im
Durchschnitt; die Raten liegen seit Jahrzehnten durchschnittlich um
etwa 20 % darüber. Von 2007 auf 2008 haben sie sich sogar noch
weiter auseinander entwickelt. Noch stärker gestiegen sind die Suizidraten
aber, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus, im Burgenland,
und in Kärnten und Niederösterreich waren ebenfalls klare Anstiege
zu beobachten – von der Zunahme war also das ganze östliche und
südliche Österreich betroffen, mit Ausnahme Wiens, während in den
westlichen Bundesländern die Raten weiter gesunken oder annähernd
gleich geblieben sind. Vergleichsweise hohe Risiken an Suizid zu
versterben haben psychisch oder körperlich schwer bzw. chronisch
kranke Menschen, ebenso Alkohol- und Drogenabhängige, aber auch
Beschäftigungslose, Personen mit sehr niedrigem Einkommen und
generell Menschen, vor allem aber Männer, im Alter ab ca. 65 Jahren.
Unter den Berufsgruppen sind gering Qualifizierte, wie Fabrik- und
Hilfsarbeiter sowie Landwirte besonders stark betroffen, aber auch
Personen in sehr fordernden Berufen, wie Unternehmer, Manager
und Ärzte. Zusätzlich spielen Krisensituationen, wie z.B. Trennung
vom Partner, Tod von Angehörigen, Veränderung der Wohnumgebung
u.a., für das Zustandekommen von suizidalen Handlungen eine
herausragende Rolle. Suizide von Kindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen sind deutlich seltener als solche von Erwachsenen im
mittleren oder höheren Alter, der „Selbstmord“ stellt aber eine der
häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
dar. Es sterben zwar insgesamt relativ wenige Menschen in Österreich
im Alter zwischen 10 und 30 – derzeit etwa 900 jährlich –, davon
aber ca. 170 an Suizid (jährlicher Durchschnitt für 2001–2008),
also fast 20 %!

Ältere Menschen haben demgegenüber zwar ein höheres Suizidrisiko,
weisen aber bekanntlich auch eine höhere Sterblichkeit aufgrund von
„natürlichen Todesursachen“ (Krankheiten) auf. Daher ist der Stellenwert
des Suizids unter den Ursachen der Sterblichkeit im hohen Alter geringer.

 
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