Newsletter

hier können Sie sich bei unserem Newsletter anmelden!







STAND UND PERSPEKTIVEN DER SUIZIDPRÄVENTION IN ÖSTERREICH

von Mag. Thomas Hutsteiner, Mag. Josef Missethon, Dr. Carlos Watzka, Graz, 5/2009

Zusammenfassung

Thema der vorliegenden Studie sind der derzeitige Status sowie Verbesserungspotenziale der österreichischen Suizidprävention aus der Sicht von drei maßgeblichen Berufsgruppen des Behandlungssystems: PsychotherapeutInnen, Klinische PsychologInnen/GesundheitspsychologInnen und ÄrztInnen (FA für Psychiatrie/Neurologie sowie AllgemeinmedizinerInnen). Die Auswahl dieser drei Berufsgruppen erfolgte aus der Überlegung heraus, dass ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen und Klinische PsychologInnen/GesundheitspsychologInnen auf professionalisierter Ebene in den meisten Fällen als Erstansprechpersonen dienen und nicht zuletzt aufgrund ihres fachlichen Hintergrundes über einen hohen Aktionsradius (dieser spannt sich von Information und Weitervermittlung bis zur Intervention) verfügen sollten. Es schien daher naheliegend, dass gerade durch die Befragung dieser Berufsgruppen eine valide Einschätzung in Fragen der Suizidprävention (auf allen Ebenen) zu erwarten war.


Die Fragestellungen beinhalten die Zufriedenheit mit dem derzeitigen Stand der Suizidprävention (allgemein, spezifisch für Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention, bezogen auf verschiedene Zielgruppen, bezogen auf verschiedene Versorgungs- und Betreuuungssysteme) sowie Verbesserungspotenziale (bezogen auf konkrete Maßnahmen, bezogen auf verschiedene Zielgruppen, bezogen auf verschiedene Versorgungs- und Betreuuungssysteme).

Die Expertenbefragung wurde von Josef Missethon initiiert und in Zusammenarbeit mit Carlos Watzka und Thomas Hutsteiner konzipiert. Die technische Umsetzung und die praktische Durchführung der Erhebung übernahmen Studierende der FH für Wirtschaft, Campus 02, Graz, im Rahmen eines im Curriculum vorgesehenen Forschungsprojektes unter Betreuung von Thomas Hutsteiner. Die Auswertung aller rückgelaufenen Fragebögen (508 auswertbare Fragebögen)  erfolgte (nach einer Zwischenauswertung durch die Studierenden im Januar 2009) durch Thomas Hutsteiner und Carlos Watzka.

Die Zufriedenheit mit dem augenblicklichen Zustand der Suizidvorbeugung wird von Experten als niedrig eingestuft, was auf sehr große Verbesserungspotenziale hinweist.

Ist-Zufriedenheit mit der Suizidprävention in Österreich

wissen1

Primärprävention ist definiert als das Verhindern des Auftretens von Suizidalität. Sekundärprävention ist die Vorbeugung von Selbsttötungen bei suizidgefährdeten Menschen und Tertiärprävention die Nachsorge bei Überlebenden nach Suizidversuchen.

 

Perspektiven für den Soll-Zustand der österreichischen Suizidprävention

Die ermittelte Prioritätenliste zur Senkung der Suizidrate gemäß Expertenmeinung lautet:

wissen2

Exkurs: Psychotherapie auf Krankenschein

Laut einer WIFO Studie1

aus dem Jahr 2008 können für arbeitsbedingte Krankheitskosten, die mit psycho-sozialen Faktoren zusammenhängen, rund 2,8 Mrd. Euro pro Jahr angenommen werden. Diese werden als ebenso hoch geschätzt wie die jährlichen Kosten der arbeitsbedingten physischen Erkrankungen.  Die derzeitigen jährlichen Kosten für Psychotherapie in Österreich betragen 45 Mio. Euro.2

Margraf fasst den aktuellen internationalen Stand der gesundheitsökonomischen Aspekte wie folgt zusammen3:

„In 95 % der einschlägigen Studien führt Psychotherapie zu einer bedeutsamen Kostenreduktion, in 86 % zeigt sich zudem eine Netto-Einsparung (d.h. die Einsparungen übertreffen die Ausgaben für die Psychotherapie) und in 76 % der relevanten Studien war Psychotherapie gegenüber medikamentösen Behandlungen überlegen bzw. erbrachte einen signifikanten Zusatznutzen. „Statt früh, ambulant und kostengünstig werden psychische Störungen spät, stationär und teuer behandelt.“

Für Österreich formuliert der Gesundheitsökonom Christian Köck4:

„EU-Studien zeigen, dass die Folgekosten von psychischen Krankheiten drei bis fünf Prozent des Bruttounionsprodukts ausmachen. Das ist ein wesentlicher Teil, wenn man bedenkt, dass wir rund 11 % für das Gesundheitssystem ausgeben. So wie es ist, werden die Ressourcen ineffizient verwendet, letztendlich käme es dem Staat volkswirtschaftlich billiger, wenn er Psychotherapie auf Krankenschein ermöglicht.“

1 Biffl Gudrun, Leoni Thomas: WIFO Studie: Arbeitsbedingte Erkrankungen Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten mit dem Schwerpunkt auf physischen Belastungen im Auftrag der Arbeiterkammer, Wien, Juli 2008

2 Mückstein Eva, Psychotherapie Forum, Band 17/Heft 2, Springer Verlag Wien New York, 2009

3 Margraf, Jürgen: Kosten und Nutzen der Psychotherapie, Springer Verlag, Wien New York, 2009

4 Köck, Christian: Interview im Kurier, 4/2008

Settings mit besonderem Stellenwert für Suizidprävention

wissen3

Zukünftige wichtige Maßnahmen – Auswertung der offenen Fragestellungen

Die offen gehaltene Schlussfrage wurde in Form einer quantitativen Inhaltsanalyse ausgewertet, wobei 508 Fragebögen einbezogen werden konnten.
    Öffentlichkeitsarbeit
Am häufigsten, insgesamt 333 Mal, wurden Hinweise zur Öffentlichkeitsarbeit gegeben.
    Suizidpräventive Dienstleistungs-Angebote
Fast gleich häufig, 332 Mal, wurde die Gestaltung und Durchführung von suizidpräventiven Angeboten angesprochen.
    Zielgruppen - Prävention
274 Statements beziehen sich auf Ausrichtung und Zielgruppen; wobei hier wieder der Bereich Schule als der am wichtigsten erachtete hervortritt.
    Koordination
Ein überraschend oft genannter Bereich ist hier weiters jener der Koordination, der in 145 Äußerungen angesprochen wird.
    Weiterbildung
Der spezielle Bereich der Weiterbildung wurde 80 Mal angesprochen.


Vollständige Studie zum Download - hier klicken

 
Banner
Notrufnummern-teaser
Was halten Sie von unserer Homepage